Bleibt alles anders?
Die business.academy.donaustadt steht vor ihrer größten
Herausforderung seit ihrer Gründung im Jahre 1980. Die Schule wird durch einen
Zubau um 50 % vergrößert und die zwei, seit beinahe 30 Jahre existierenden
Schulstandorte, werden zusammengeführt.
Dies hat einerseits einschneidende personelle und
organisatorische Konsequenzen, andererseits soll dieser Neubau jedoch nicht
„nur“ eine Erweiterung um Klassen sein, um den verstärktem Zustrom an
Schüler/innen gerade im Raum über der Donau aufzufangen, sondern er soll auch
neuen pädagogische Ideen Platz- und Gestaltungsmöglichkeiten bieten.
Es geht darum “Raum zu schaffen, um Menschen zu stärken“
[1]
Schulgebäude sind Spiegelbilder der gesellschaftlichen
Entwicklung.
„Wenn meine Eingangsthese stimmt, dass Schulgebäude die
gesellschaftliche Entwicklung widerspiegeln, müssten unsere heutigen Lernräume
nicht anders aussehen? Noch dazu, wo das Schulgebäude ja nicht nur Entwicklungen
widerspiegelt, sondern selbst ein aktives Medium der Pädagogik sein kann. In
manchen Ländern wird davon gesprochen, dass der Raum ein dritter Pädagoge ist.“
[2]
Mit wirklich großer und ehrlicher Freude und Dankbarkeit
wurde von der Lehrer/innenschaft die Nachricht aufgenommen, dass das Kollegium
der business.academy.donaustadt im Rahmen eines Pilotprojektes des BMUKK und des
SSR für Wien in die Ausarbeitung eines pädagogischen Pflichtenheftes mit
eingebunden wird. Es werden
Betroffene zu Beteiligten gemacht [3]
Ich bin der Überzeugung, dass das alte Prinzip „Betroffene
zu Beteiligten machen“ nach wie vor eine der entscheidensten Erfolgsfaktoren in
Veränderungsprozessen ist. Nur wenn die Beteiligten an den Veränderungsprozessen
partizipieren, können deren Ideen, Vorschläge und Feedback aufgenommen und
verarbeitet werden. Mit dem Neuen müssen sich die Mitarbeiter/innen
auseinandersetzen, und es muss integriert werden, sonst bleibt es fremd und wird
nicht gelebt.
In Schulentwicklungsprozessen besteht aber auch die Gefahr,
dass nach euphorischen Anfangsphasen die mit großem Arbeitseinsatz und
fachlicher Kompetenz begonnen Projekte sich auf Dauer nicht etablieren können.
Veränderungen sind als Prozesse und nicht als Intervention
zu sehen
„Viele Schulen – und zuweilen auch die Schulbehörde –
vertrauen darauf, dass sich Entwicklung als Resultat einer einmaligen
Intervention einstellt, die auf eine nicht näher definierte Weise Auswirkungen
auf die schulische Praxis hat. Damit die Bewegung, die durch die Intervention
ausgelöst wird, nicht bloß in einer Störung des bisher Gewohnten besteht, die
mit der Zeit auch wieder verschwindet, muss Innovation als Prozess verstanden
und organisiert werden." [4]
Ich sehe daher die Ausarbeitung dieses Pflichtenheftes als
Beginn eines langfristigen Prozesses der Schul- und Organisationsentwicklung mit
dem Ziel, in einem modernen und innovativ gestalteten Schulneubau die
pädagogischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts im kaufmännischen
berufsbildenden Schulwesen erfolgreich zu bewältigen. Basis dieses
Veränderungsprozesses sind die Stärken, die Besonderheiten, aber auch die
Eigenheiten der business.academy.donaustadt.
Wir werden uns die nächsten Jahre immer wieder fragen
müssen, „what do we keep, and what do we change“, dann bleibt alles ganz anders.
Dir. Mag. Christian Posad
[1]
http://www.bildunggrenzenlos.at/texte/Architektur/Vortrag_kuehn_wissensgesellschaft_02_abbildungen.pdf, 19. Jänner 2009
[2] ebenda
[3]
http://www.train-the-trainer-seminar.de/monatstipps/change_management.htm, 19. Jänner 2009
[4] Leonard Horster: Zwölf häufige Fehler bei der Entwicklung von Schule und
Unterricht, in: se – Methodenatelier, Nr. 56 – 1/08