Die Planungen, eine BHAK und BHAS am Hochstädtplatz in Wien 20 bzw. in der Diefenbachgasse in Wien 15 zu errichten, wurden seitens des SSR nicht weiter verfolgt. Da in Wien jedoch die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen im Bereich der kaufmännischen mittleren und höheren Schulen nach wir vor steigt, bietet sich als realistische und wirtschaftliche Alternative die Funktionssanierung der BHAK und BHAS Wien 22 mit einer gleichzeitigen Erweiterung des Schulstandortes an.
Der Bezirk Donaustadt ist schon derzeit der Bezirk mit dem größten Bevölkerungswachstum in Wien. Weiters sollen am Flugfeld Aspern 8.500 neue Wohnungen und 25.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Auch auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Fa. Brown Boveri ist die die Errichtung von Wohnungsneubauten geplant.
Der Ausbau der U-Bahnlinie U2 verbessert die Erreichbarkeit der BHAK Wien 22 für jene Schüler/innen, die derzeit nur unter großem Zeitaufwand eine schulgeldfreie Bundesschule besuchen konnten.
Die Situation an der Schule
Die Bundeshandelsakademie und Bundeshandelsschule Wien 22 („busness.
academy.donaustadt“) ist räumlich zum Großteil in der Polgarstraße 24 untergebracht. 1976 wurde die Schule in einer ehemaligen Volksschule in der Stadlauer Straße 51 als Expositur der BHAK und BHAS Wien 10 gegründet. Mit der Übersiedlung an den Schulstandort Polgarstraße sollte der Standort Stadlauer Straße, der nur in sehr begrenztem Rahmen den Anforderungen an einen modernen Unterricht im kaufmännischen Bildungswesen genügt, eigentlich aufgelassen werden. Bedingt durch die starke Nachfrage nach Schulplätzen ist dies jedoch bis heute nicht möglich. Im Besonderen fehlen in der Stadlauer Straße sowohl sämtliche naturwissenschaftliche Sonderunterrichtsräume, als auch jegliche Teilungsräume und ein betriebswirtschaftliches Zentrum.
Von den 30 Klassen werden derzeit 4 Klassen in Teilungsräumen unterrichtet, um Abweisungen zu vermeiden. Dies hat jedoch folgende Konsequenzen:
- Notwendige Teilungsräume für Sprachen, Ausbildungsschwerpunkte, sowie für Teilungen der ersten Klassen in den typenbildenden Gegenständen stehen nicht zur Verfügung.
- Die räumliche Situation für die Schüler/innen ist mehr als beengt.
- Der Pro-Kopf-Werteinheitenverbrauch liegt über dem zulässigen Wert, da die Klassenschüler/innenzahl verhältnismäßig gering ist.
Die Notwendigkeit zusätzlicher Räumlichkeiten wurde sowohl beim Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur als auch bei der für Bauangelegenheiten zuständigen Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) und dem Stadtschulrat für Wien erkannt und ein Zubau auf dem benachbarten – derzeit brach liegenden Grundstück – wird von allen angeführten Institutionen positiv bewertet.
Diese Institutionen haben sich außerdem bereit erklärt, im Rahmen eines Pilotprojektes Direktion und Lehrer/innen-Kollegium der business.academy.
donaustadt die Möglichkeit der Mitwirkung bei der Funktionsplanung zu geben. Die Schule wurde eingeladen, ein Pflichtenheft als Grundlage zur Ausschreibung eines Architekturwettbewerbes für den geplanten Zubau zu erarbeiten.
Die folgende Kurzbeschreibung einer Lehrveranstaltung für Architektur bei
Univ.-Prof. DI Dr. Kühn, Technische Universität Wien, der sich intensiv mit dem Spannungsfeld Schule und Architektur beschäftigt, soll das Motiv der business. academy.donaustadt skizzieren, diese Einladung zur Mitwirkung bei der Funktionsplanung insbesondere im Hinblick auf die pädagogischen Zielsetzungen anzunehmen.
"Die Institution Schule verändert sich. Galt sie früher als Belehrungs- und Abrichtungsanstalt, soll sie heute - folgt man den aktuellen Trends in der Pädagogik - zu einem Erfahrungsraum werden, in dem sich die individuellen Begabungen der Schüler/innen ebenso entwickeln sollen wie ihre soziale Kompetenz. Die neue Schule ist zugleich global vernetzt und eingebunden in ihr lokales Umfeld, sie bietet einen geschützen Raum zur Entwicklung und ist dabei offen nach außen. In dieses Bild eines idealen Lernumfelds mischen sich die Ansprüche eines veränderten Wirtschaftslebens, die als Ausbildungsziel "Ich-AGs" mit hohe Belastbarkeit und Flexibilität fordert, die in der "schönen neuen Welt" der globalisierten Wirtschaft bestehen können.
Für die Architektur ergibt sich daraus eine Reihe von Anforderungen, die neue Raumprogramme und Typologien nahe legen. Ganztagsschule und modulare Formen des Unterrichts führen weg vom Stammklassenprinzip und hin zu neuen Raum- und Organisationsstrukturen, die aber in der Praxis oft an die Grenzen von Brandschutzbestimmungen, organisatorischen Gewohnheiten und Budget-vorgaben stoßen.“[1]